Gleitschirmfliegen in Organya Spanien

Organya ist einer der europäischen Hotspots für Gleitschirmflieger, da die dort anzutreffende Thermik sehr stabil und zuverlässig ist.

Insbesondere die Acro-Szene nutzt diesen Spot dementsprechend intensiv. Der Startplatz liegt nur rd. 300 Meter über dem Landeplatz, der Bergkamm und die Landschaft sind sehr schön aber auch nicht so spektakulär wie die großen Gipfel in der Region. Alles in allem vom ersten Eindruck her eher “…hier ist Muntanya Magica, der magische Berg?”.

Campingplatz Organya Mia-Art

Campingplatz Organya Mia-Art

Also hoch zum Startplatz. Für mich als fortgeschrittener Anfänger war nicht zuletzt dieser dann doch etwas kurze Startplatz eine nicht so einfache Herausforderung, zumindest mental ;o) Insbesonsdere da meine Routine in Sachen Rückwärtsstart genauso wenig ausgeprägt wie bisweilen eigenwillig daherkam (siehe Video am Ende). Nichts desto trotz konnte ich bereits nach wenigen Starts die Aufwinde finden, und durfte mich schon bald über dem Kamm und dem Tal wiederfinden. Am einfachsten orientiert man sich am Start dabei an den mit den Örtlichkeiten vertrauten Acropiloten. Wobei diese mit ihren teils kleinen Tüten so manchen Versuch mit einem Abgleiter zum Startplatz quittiert sahen. Ich mit meinem Gradient Bright 4 und seinen rd. 32qm war da klar im Vorteil, mit dem dran hängenden (Über-)Gewicht aber wieder genauso schnell im Nachteil ;o)

Startplatz-Organya_Spanien_Ralf-Zmölnig

Startplatz Organya Spanien Gleitschirm

Startplatz Organya – Panorama

Startplatz Ogranya Blick bergauf

Startplatz Ogranya Blick bergauf

Die besondere Faszination liegt neben der unglaublich schönen und reizvollen Landschaft der Pyrenäen bei diesem Fluggebiet an der meist nachmittags einsetzenden Umkehrthermik. Sobald man es schafft sich in dieser gen Kam zu kurbeln sind der Flugdauer kaum Grenzen gesetzt. Im Gegenteil, es geht schier endlos, und wird im Zweifel eher von der Kondition oder menschlichen Bedürfnissen eingeschränkt. Allerdings war das wiederum für mich als fortgeschrittener Anfänger nach dem Startplatz auch schon die zweite, zentrale Herausforderung: Thermik satt! Nachdem ich den Kamm erklommen und langsam aber sicher die Freude daran auskosten konnte, fand ich schier gar keine Luftregion in der es nicht moderat aber permanent aufwärts ging. Und da meine vorab geplanten Kurse zum Sommerurlaub hin leider alle ins Wasser fielen, hing ich dann mit wenig Profession in Sachen Abstiegshilfen irgendwann mit etwas mulmigen Gefühl in der Luft.

Ich drehte dementsprechend vom Kamm ab Richtung Tal. Aber wo ich auch hinflog, es war einfach nur thermisch. Weder sonderlich wackelig oder ruppig, aber halt Thermik, Thermik, Thermik. Und so toll das ist, MICH hat es dann in diesen Momenten durchaus gestresst. Natürlich kam ich runter, und das learning war sowohl beim Aufstieg als auch beim ganzen restlichen Flug phantastisch. Ich empfehle aber umso mehr, solche Gebiete mit ausreichend Schulung im Vorfeld zu besuchen. Insbesondere eine routinierte und sichere Rückwartsstarttechnik ist unabdingbar. Zwar starteten Schüler der örtlichen Flugschule auch immer wieder im strengen Galopp vorwärts raus. Der aber sehr schnell üppig abfallende Startplatz empfiehlt sich dafür in meinen Augen nur sehr bedingt. Klar, mit ausreichend Wind prinzipiell kein Problem… Etwas problematisch bzw. herausfordernd: Der Startplatz liegt zumindest teilweise im Lee seiner eigenen Abrisskante. Dementsprechend mau steigt anfangs die Kappe. Es hat mich zahlreiche Anläufe gekostet dass zu realisieren. Auch da ich natürlich den locals bzw. Flugschülern den tieferen und weniger Leebelasteten Bereich des Startplatzes nicht streitig machen wollte. Was aber ein Fehler war. Denn gerade bei eher wenig Wind ist der Start gerade mit einer so großen Kappe wie der meinen nicht so einfach. Bzw. heißt es umso beherzter die Kappe wirklich ganz nach oben zu bringen, so dass sie schnell und deutlich die Nase in den Wind bekommt!

Unsere Homebase hatten wir mit unserer 5köpfigen Familie und unserem Hund am örtlichen Campingplatz aufgeschlagen. Dieser ist ob der Nähe zum Startplatz (ca. 2km) und der vielen Flieger dort natürlich eine super Base. Allerdings ist er für Wohnmobilreisende wie uns relativ schlecht präpariert. Nicht zuletzt, da es keine für diese Kategorie üblichen Entleerungsstellen etc. gibt. Auch ist das manövrieren zum hinteren Teil des meist gut besetzten Campingplatzes gerade für große Alkoven-Wohnmobile zwar machbar, aber es gilt schon sehr gut auf Bäume und Äste zu achten.

Campingplatz-Schwimmbecken Freibad Organya Blick Berg und Startplatz

Campingplatz-Schwimmbecken Freibad Organya Blick Berg und Startplatz

Die Parzellen sind spanientypisch klein, die Anschlüsse bisweilen zu weit entfernt und die spanischen Campingnachbarn bis in die Nacht hinein mit Kind und Kegel sehr lebhaft. Für uns natürlich wunderbar, für so manchen vllt. ab und an etwas arg betriebssam ;o) Ausserhalb der spanischen Ferienzeiten aber für Flieger unschlagbar. Denn die Flugsaison geht lt. örtlichen Aussagen hier weit in den September gar Oktober hinein.

Campingplatz Organya Spanien Juli

Campingplatz Organya Spanien schlafende Juli

Schön am Campingplatz ist auch die Doppelfunktion als örtliches Freibad. Sprich verfügt der Platz über ein schönes, großes Becken, sowie auch ein kleines Babybecken. Alles aber in einem doch recht abgenutzten, teils verletzungstauglichen Zustand. Nix für übervorsichtige Eltern ;o)
Die sanitären Anlagen sind OK, nicht mehr und nicht weniger. Das Preis- Leistungsverhältnis ist unserer Meinung nach aber ob des teils doch wenig gepflegten und gehegten und eben schon etwas abgewohnten Zustandes nicht OK. Die Anlagen zum Geschirrspülen fanden wir als erfahrene Camper aber ob der mangelnden Wartung und Pflege dann aber doch SEHR mau. Hauptsächlich wird der Campingplatz aber eh nur von spanischen Urlaubern und Gleitschirmfliegern aus der ganzen Welt besucht. Und beide Gruppen sind nicht so anspruchsvoll, zumal die Flieger ja entsprechend der Flugmöglichkeiten entschädigt werden.

Das an den Campingplatz angrenzende Örtchen ist nett und urig. Wer aber ein verzaubertes Bergdorf erwartet ist eher falsch. Und auch für Familien mit Kind(ern) dauerhaft nicht spannend. Wir behalfen uns mit zahlreichen Ausflügen in die Region. Auch wenn das natürlich deutlich zu Lasten des Flugzeitkontos geht ;o)

Alles in allem ist Organya insbesondere für den der mächtig Airtime sucht ein Muss. CU there!

Family Organya

Family Organya

Im Sommer 2014 entstand dieses Video als Zusammenschnitt zweier Flüge in Organya. Enjoy!

Fußnote: Den Acrofliegern im Campingstuhl liegend zuzusehen ist einfach toll! Noch toller natürlich, wenn man sich selbst nach oben schraubt, und den Jungs und wenigen Mädels bei ihren teils krassen Flugmanövern genusslüch von oben zusieht. Was mich aber besonders “beeindruckt” hat waren die abendlichen UND nächtlichen Flüge/ Flieger! Ja, das ist wohl dann die Steigerung des Tages für so manchen Piloten. Und am Landeplatz reicht ihnen dann auch der Lichtkegel des Autoscheinwerfes von Kollegen. Für mich nichts, gar etwas fahrlässig? Trotzdem mächtig faszinierend ;o)

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